Die Lehren aus der Lesara-Pleite





Lesara

Analyse. Ein Verkauf des insolventen Startups Lesara platzte, nun steht das Unternehmen vor dem Aus. Was können andere Unternehmen aus dieser Krise lernen?

 

Viele der Lesara-Mitarbeiter sind bereits freigestellt.

 

Die Chancen für den Billigmode-Händler stehen schlecht. Der Insolvenzverwalter von Lesara hatte am Freitagnachmittag verkündet, dass ein potenzieller Käufer kurzfristig abgesprungen sei – andere Interessenten gebe es aktuell nicht. Noch 50 der ehemals 350 Mitarbeiter kümmern sich in der Berliner Zentrale um den Verkauf der letzten Produkte. Doch das Kapitel Lesara ist damit nicht abgeschlossen. Die Pleite des einstigen Hoffnungsträgers wirft Fragen auf, die über das Unternehmen hinausgehen: Lassen sich in der deutschen Startup-Szene große Finanzierungen immer noch schwer stemmen? Lag es an der Umsetzung oder dem Geschäftsmodell? Was kann man daraus für den Standort Deutschland ableiten?

 

Tatsächlich kämpft der Online-Modemarkt, in dem sich Lesara bewegt, gerade mit Problemen. Auch Zalando, das Erfolgsbeispiel im deutschen E-Commerce, steht unter Druck. Der Umsatz war 2018 hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Schuld sei vor allem der heiße Sommer, in dem die Kunden weniger kauften, heißt es vom Unternehmen. Diese schlechte Stimmung färbt auch auf den Rest des Marktes ab. Hinzu kommt: Gerade in angespannten Marktsituationen schauen die Geldgeber stärker auf die Profitabilität. Doch mit der billigen Mode von Lesara ist es schwierig, Geld zu verdienen. Es bedarf Masse und treuer Kunden, um profitabel zu arbeiten. Bei Lesara reichte es aber nicht: Zwei bis drei Jahre – so lange hätte das Unternehmen bis zur Profitabilität noch gebraucht, sagte Lesara-Gründer Roman Kirsch kürzlich im Interview mit Gründerszene.

 

Bislang ist die Krise bei Lesara noch nicht in allen Details aufgearbeitet, doch vieles deutet zurzeit darauf hin, dass sich Lesara die Probleme selbst eingebrockt hat. Es taugt somit nicht als ein gutes Beispiel dafür, dass die E-Commerce-Branche in einer Krise steckt – oder große Geldgeber fehlen. Zum einen hat sich Lesara gegenüber Investoren zu offensiv verkauft. Die Zahlen waren nicht so gut, wie Kirsch sie gerne nach außen präsentierte. Das verdeutlichte erst kürzlich ein Bericht des Manager Magazins. So etwas kostet Vertrauen der Geldgeber. Zum anderen hat sich Lesara vor allem mit dem 40-Millionen-Euro-Logistikzentrum verhoben. Ein Teil davon sollte von der örtlichen Sparkasse finanziert werden, doch die Auszahlung verzögerte sich.

 

Aufgeblähte Zahlen und ein komplexes Bauvorhaben

 

Kirsch gab der Bank eine Mitschuld. Doch die wehrte sich: Man habe die Erfahrung gemacht, dass gerade „unerfahrene Kreditnehmer die sehr individuell ausgehandelten Bedingungen aus den Augen verlieren“, sagte ein Sprecher dem MDR, ohne auf die Details von Lesara einzugehen. Mit dem Geld sollte die Zeit überbrückt werden, bis Fördermittel vom Land Thüringen fließen. Wegen Baumängeln und einer verspäteten Abnahme des Zentrums habe sich die Auszahlung verzögert, heißt es weiter in dem MDR-Bericht.

 

Für das junge Unternehmen war das Vorhaben gleich doppelt komplex: Es musste das Zentrum aufbauen – und eine Finanzierung mit öffentlichen Geldern und einem Kredit bewerkstelligen. An beiden Punkten ist Lesara offenbar gescheitert. Eine große Lehre für Startups, die sich ähnlich komplizierte Projekte auf den Plan schreiben. Gerade Banken und Förderinstitute spielen nach ihren eigenen Regeln, die für alle gelten, die sich auf sie einlassen – auch für Startups aus Berlin. Mehrere Unternehmen stürzten im vergangenen Jahr in die Insolvenz, weil Kreditkonstrukte nach hinten losgingen. Für Startups ist dies oft neues Terrain, die Finanzierungen durch Wagniskapitalgeber funktionieren grundlegend anders.

 

Wer sich dennoch an solche Großprojekte wagt, muss genügend Puffer einbauen. Etwas, das der Startup-Mentalität, bei der es vor allem um schnelles Wachstum geht, widerstrebt. Startups, die es nicht schaffen, einen Gang herunterzuschalten, sollten von derart komplexen Projekten ihre Finger lassen. Denn das Ergebnis der folgenden Kettenreaktion ist nur schwer vorherzusehen – wie der Fall von Lesara zeigt.

 

Der Artikel erschien bei Gründerszene.de, Bildquelle: Adobe Stock

 

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