"Geschwindigkeit ist eine Basisanforderung bei der Zustellung"






IFH

Der Boom im E-Commerce bringt die Logistikbranche zunehmend an ihre Grenzen. Kunden verlangen eine immer schnellere Lieferung. Wir haben mit Anne Lisa Weinand über die Probleme der letzten Meile, Same Day Delivery sowie die Trends in der Logistik gesprochen.

 

Die Logistik-Branche befindet sich durch den anhaltenden Boom im Online-Handel im Umbruch. Auch Händler müssen sich auf die neuen Bedürfnisse der Webshopper einstellen. Im Vorfeld der eLogistics World Conference haben wir mit Anne Lisa Weinand, Account- und Projektmanagerin beim IFH Köln, unter anderem über die Probleme der letzten Meile, Same Day Delivery sowie die Trends in der Logistikbranche gesprochen.

 

Um der Herausforderung im Online-Handel Herr zu werden, müssen Händler zunächst dafür sorgen, dass die Basis stimmt, so Ihre Aussage. Was meinen Sie damit?

 

Anne Lisa Weinand: Alle sprechen über Innovationen, wie Same Day Delivery oder Drohnen. Noch bevor diese angegangen werden, müssen die Grundanforderungen stimmen - Back to Basic ist die Devise. Kunden setzen zunächst einen zuverlässigen, transparenten und schneller Versand- und Lieferprozess voraus. Stimmt diese Basis nicht, reagieren sie mit Unzufriedenheit und Frust.

 

Müssen Händler heute Same Day Delivery anbieten, um langfristig mit den großen Playern mithalten zu können?

 

Weinand: Speed matters - keine Frage. Wie schon gesagt, neben Transparenz und Zuverlässigkeit ist Geschwindigkeit eine Basisanforderung bei der Zustellung. Dabei treibt insbesondere Amazon die Ansprüche der Konsumenten nach oben, in dem der Online-Riese mit schnellen Liefergeschwindigkeiten - auch vermehrt über Amazon Logistics - innerhalb der Prime-Leistungen Anker setzt. Allerdings wünschen sich nur fünf Prozent der Konsumenten ihre Pakete am selben Tag - Konsumenten erwarten Same Day Delivery somit noch nicht. Eine Zustellung am nächsten Tag wird von den Konsumenten allerdings mehr und mehr gefordert. Bereits jeder vierte Konsument wünscht sich sein Paket am nächsten Tag - Tendenz steigend.

 

Was müssen Händler leisten, um eine taggleiche Zustellung gewährleisten zu können?

 

Weinand: Hier müssen einige Stellschrauben verändert werden und besser ineinanderlaufen. Angefangen mit einer internen Prozessoptimierung, über eine engere Zusammenarbeit mit den Logistikdienstleistern bis hin zu nachhaltigen und effizienten Konzepten in der Zustelllogistik - "More of the same" hat dabei keine Zukunft.

 

Webshopper wollen die Produkte immer schneller geliefert haben. Doch die Logistikbranche kommt bereits jetzt mit den Zustellungen und Retouren kaum noch hinterher. Welche Maßnahmen sollten Ihrer Ansicht nach ergriffen werden, um beiden Seiten gerecht zu werden?

 

Weinand: Vor allem in der Logistikinfrastruktur gibt es noch einiges zu tun, um die Ressourcenknappheit auf der letzten Meile zu reduzieren. Neue und innovative Ansätze müssen her, um die Engpässe auszugleichen. Beispiele sind Freelancer, etwa Uber Rush/Amazon Flex, Sharing-Konzepte wie Parkhäuser als Ladezonen, sowie die Bündelung durch dezentrale, mobile Hubs, die von außenliegenden Lägern angefahren werden und von denen Feinbelieferungen erfolgen - etwa mit Fahrrädern, Robotern, Drohnen. Auch das effizientere Gestalten von Fahrzeiten durch digitale Lösungen wie Echtzeitinformationen zu Verkehrsbeeinträchtigungen oder Ampelschaltungen ist eine Option. Darüber hinaus muss sich die Haustürzustellung bedingt durch das erhöhte Paketaufkommen zum Premiumdienst entwickeln. Alterative Lieferorte wie Packstation und Co. müssen Konsumenten somit vermehrt angeboten und schmackhaft gemacht werden.

 

Welche Trends werden die Logistikbranche verändern?

 

Weinand: Das Thema "Smart Data" wird in Zukunft einiges an Fahrt aufnehmen, da es den Schlüssel zur perfekten Versanddienstleistung bietet. Konsumenten erwarten immer mehr auf sie zugeschnittene und individualisierte Services. Zudem steigt das Convenience-Bedürfnis durch Player wie Amazon und Co. - es muss schnell, einfach und bequem ablaufen. Durch das Wissen darüber, wo und wann Konsumenten erreichbar sind und was ihre präferierten (alternativen) Zustellorte sind, kann die letzte Meile dadurch noch bequemer gestaltet werden. Händler und Logistikdienstleister sollten daher perspektivisch noch enger zusammenarbeiten, um ihre jeweiligen Daten zu nutzen und voneinander zu profitieren, um passgenaue und individuelle Mehrwerte und Service für den Kunden anzubieten.

 

 

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